Helmut Theodor Rohner | PORTRÄT

Leserbriefe

In den Leserbriefen hat der Autor jahrelang Stellung bezogen zu Fragen, die in den Medien gestellt wurden. Mit der Zeit wählte er jedoch die Themen immer stärker selber aus.

Leserbriefe 2022

Hunderte Orthodoxe beim Jugendtreffen

In letzter Zeit hört man von der Orthodoxie beinahe nur Schlechtes. Der Hauptgrund ist die Haltung des Moskauer Patriarchen Kyril. Darin wurde offenbar, dass in den Orthodoxen Kirchen die Nationalität und manchmal die Unterwerfung unter die Regierung wichtiger ist als der christliche Glaube.
Das Panorthodoxe Jugendtreffen ist eine Initiative der orthodoxen Bischofskonferenz. Sie wurde 2012 zum ersten Mal abgehalten. Heute ist es nach der 2-jährigen Pause der Pandemie Das 9. Mal das es in Wien stattfand. Der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamaiks) stand im Eröffnungsgottesdienst vor, bei dem der serbisch-orthodoxe Priester Andrij predigte. Er munterte die Jugendlichen auf, ihren Glauben zu leben und bei der Kirche zu bleiben. Er betonte auch, dass der christliche Glaube alle Nationalen Grenzen und Identitäten überwinden werde.
Arsenios berichtete erfreut von den Hunderten Jugendlichen und den jugendlich Gebliebenen die aus ganz Österreich daran teilnahmen. Es ist erfreulich, wenn es auch in den orthodoxen Kirchen Kreise gibt, besonders junge Leute, denen das Panorthodoxe wichtiger ist als das Nationalorthodoxe.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 17. Oktober 2022 (Einsendedatum)


60jähriges Konzilsjubiläum

Vor 60 Jahren fand das größte Ereignis der Katholischen Kirche der Neuzeit statt. Die Kirche wurde dadurch stark verändert. Zum Beispiel die liturgische Erneuerung mit Zurückdrängung der lateinischen Messe, das verstärkte Selbstbewusstsein der Ortsbischöfe gegenüber Rom, aber auch der Laien gegenüber den Bischöfen. Auch eine Bewusstwerdung von Weltkirche und eine ökumenische Öffnung. Mit einem neuen Selbstbewusstsein versteht sich die katholische Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen, als „Volk Gottes“ auf dem Weg durch die Zeit. Ein „gemeinsames Priestertum“ der Gläubigen wird betont. Jeder Mensch, so das Konzil, habe das bürgerliche Recht auf Religionsfreiheit, dürfe also seine Religion frei nach seinem eigenen Gewissen wählen. Geklärt wurde auch das Verhältnis der römischen Kirche zum Judentum; traditioneller kirchlicher Antijudaismus erhielt eine klare Absage. Schließlich öffnete sich die Kirche anderen nichtchristlichen Religionen im Dialog. Der bedeutendste Vertreter Österreichs beim II. Vatikankonzil, Kardinal König, hatte großen Einfluss auf die letztgenannten Dokumente.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 2. Oktober 2022 (Einsendedatum)


Krieg ist keine Alternative

Mitte November feierte die Internationale Friedensbewegung ihr 70-jähriges Jubiläum. Bischof Glettler sagte beim ökumenischen Friedensgebet in Innsbruck: „Angesichts der aktuellen Kriegslogik und der wieder aufgewärmten Strategien militärischer Abschreckung heißt es, einen klaren Kopf zu bewahren und einer anderen Herzenslogik zu folgen. Krieg ist nie eine Lösung, mag eine Auseinandersetzung auch noch so komplex und groß sein.“ „Wenn es auch im Falle einer Aggression eines machtgierigen Despoten das Recht und die Pflicht zur Landesverteidigung geben muss, muss jedoch auch klar das Ziel sein, über die letztlich gottlose Verteidigungslogik hinauszudenken." Pax Christi International wurde nach dem 2. Weltkrieg gegründet und diente ursprünglich der Versöhnung zwischen Franzosen und Deutschen. Jetzt soll Pax Christi „die Herausforderung der christlichen Friedensarbeit heute“ unterstützen. Pax Christi Österreich ist ein Teil der internationalen Organisation. Ihr Vorsitzender ist aktuell der Innsbrucker Theologe Wolfgang Palaver.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 15. September 2022 (Einsendedatum)


2000 afrikanische Ordensfrauen

Rund 2000 afrikanische Ordensfrauen aus etwa 10 Ländern fordern mehr Teilhabe und Berücksichtigung ihrer Erfahrungen in der Kirche. Organisator der Initiative ist die „Vereinigung der Ordensfrauen in Ost- und Zentralafrika“, die insgesamt etwa 30 000 Mitglieder zählt. Papst Franziskus hat den Synodalen Weg „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft und Sendung“ genannt. Dazu schreiben die Schwestern: „Wir sind besorgt, dass der Aufruf von Papst Franziskus, die gesamte Kirchengemeinschafft in den Synodenprozess einzubeziehen, die Stimme der Ordensfrauen zu überhören droht“. Die Schwestern wollen nun ihre Erfahrungen schriftlich sammeln und 2023 in Rom den Bischöfen übergeben. Das hier beschriebene Projekt vertritt vor allem die Interessen der jungen, kleinen und diözesanen Orden, die kaum über internationale Vernetzungen verfügen.
Durch diese und viele andere Initiativen in verschiedenen Ländern und Kontinenten, wird die Gesamtkirche synodaler werden.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 2. August 2022 (Einsendedatum)


Ministrantinnen seit 30 Jahren

Im Juli 1992 erklärte der Papst, das Kirchenrecht dürfe von nun an so gedeutet werden, dass auch Mädchen und Frauen ministrieren dürften. Zur amüsanten Erinnerung seien 2 Pfarren erwähnt, wo die Ministrantinnen ein paar Jahre vor dieser offiziellen Erlaubnis eingeführt wurden. Es sind dies Gortipohl und Meiningen. In Gortipohl wollte der Kaplan in der Osternacht Mädchen dazunehmen. Der Oberministrant wollte noch eine Nacht darüber schlafen. Dann stimmte er zu und zwar nicht nur für Ostern, sondern für immer. Bei der Probe wollte ein Bub partout nicht neben einen Mädchen gehen. Deshalb sagte er zum Schluss dem Kaplan: „Herr Kaplan, ich kann in der Osternacht nicht ministrieren, ich muss mit dem Vater in’s Holz.“ Als kurz danach der Papst nach Innsbruck kam, verhinderte der Oberministrant von Gortipohl, dass die KIM-Jugend eine Fahne vor sich hertrug, auf der zu lesen war: Wir wollen keine Ministrantinnen. In Meiningen sammelten zwei Männer Unterschriften gegen die Ministrantinnen und da sie von Haus zu Haus gingen und die Leute Angst hatten, nicht zu unterschreiben, erhielten sie mehr Unterschriften als Leute am Sonntag in die Kirche gingen. Als Papst Johannes Paul II. die Ministrantinnen erlaubte, entschuldigten sich viele beim Kaplan und freuten sich riesig, dass ihre Enkelin am Altare dienen durfte.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 16. Juli 2022 (Einsendedatum)


Gutes Beispiel des Papstes

Leider glaubt Papst Franziskus, einer seiner Vorgänger habe die Frage der Frauenordination endgültig negativ entschieden. Doch er macht durchaus ernst mit der Bekleidung von Frauen mit hohen Leitungsämtern. Und diesbezüglich gibt es auch Überraschungen. Wer wundert sich nicht, wenn der Papst verkündet: „Zum ersten Mal werden zwei Frauen in die Kommission zur Auswahl vom Bischöfen berufen.“ Bei den andern Frauen führen uns die zum Teil stark veralteten Berufsbezeichnungen z. B. „Untersekretärimnen“ in die Irre, da wir nicht mehr gewohnt sind, hohe Leitungsämter so zu bezeichnen. Da gibt es inzwischen eine „Untersekretärin“ des Synodalen Weges und eine für die vielfältigen Beziehungen zum Staatsekretariat sowie eine Sekretärin der Entwicklungsbehörde. Papst Franziskus teilte vor kurzem mit, dass er die neuen Möglichkeiten der Kurienreform (Jede, auch die bisher Kardinälen vorbehaltenen Posten dürfen in Zukunft durch nichtgeweihte Männer und Frauen ersetzt werden. Entscheidend ist die Kompetenz, nicht die Weihe.) nützen wolle. „Auf diese Weise öffnen sich die Dinge ein wenig“. So beurteilt der jetzige Papst unsere Situation. Für alle Bischöfe nachahmenswert.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 8. Juli 2022 (Einsendedatum)


Bischof Elbs und die Frauenordination

Seit neuestem spricht sich unser Bischof für die Weiheämter für Frauen aus. In unserer Diözese wurden schon lange Frauen ohne Weihe befördert, indem ihnen ursprünglich priesterliche Funktionen zugeteilt wurden. Es gibt also: Gemeindeleiterinnen und Organisationsleiterinnen mit Team, die Seelsorgeräume leiten. Das Kirchenrecht sieht solche Funktionen wohl nicht vor, „toleriert“ sie aber, wenn die Gesetze großzügig interpretiert werden. Die Diözese konnte also sagen: Wir tun alles, was entsprechend der Gesetzeslage möglich ist. Das übrige ist Aufgabe Roms. Das macht den Eindruck: Wir haben alles Menschenmögliche getan und die „heißen Eisen“ bleiben doch alle in Rom. Wäre es nicht besser, bei jeder notwendigen Änderung, Rom mitzuteilen: Wir handeln nach der Gesetzeslage, bitten aber euch ungeduldig (dieses Wort verwendete auch Bischof Elbs in Bezug auf die Frauenweihe) macht grundlegendere Lösungen durch Gesetzesänderungen möglich. Manche werden sagen: In Rom wissen sie doch das alles. Mag sein, aber wissen ist nicht dasselbe wie von engagierten Menschen dauernd daran erinnert zu werden. Deshalb freut mich sehr, dass Bischof Benno sich klar und ungeduldig für die Weihe für Frauen ausspricht und offen zugibt, dass eine gute Mischung von Frauen und Männern in allem Bereichen Missbrauch vermindern hilft.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 16. Juni 2022 (Einsendedatum)


Deutscher Katholikentag

Endlich war es wieder möglich, einen kirchlichen Großevent mit der typischen Stimmung in Stuttgart zu feiern. Zwar nahmen weniger, nämlich 270.000 Katholiken und Katholikinnen am 102. Katholikentag teil, 2018 waren es noch über 70.000, aber der Ruf nach Reformen war lauter als früher. Das beeindruckte auch Ferdinand Kaineder, den Präsidenten der „Katholischen Aktion“ (Laienorganisation), der der Veranstaltung als Vertreter Österreichs teilnahm und nach seiner Rückkehr eine positive Bilanz zog. Nach seiner Ansicht ist die Haltung der Offenheit die Haltung einer Kirche mit Zukunft. In Stuttgart wurde das Motto des katholikentags „Leben teilen“ wirklich gelebt. „Die Stimmung war offen, überall waren die Menschen miteinander im Gespräch, auch im Vorübergehen.“ „Während die Volkskirche schrumpft, nimmt die jesuanisch-christliche Bewegung Fahrt auf“. Jesus wird gebeten, auch in ein Europa zu kommen, in dem die Volkskirche von ehedem nicht mehr existiert. Diese Situation fordert laut Kaineder ,“ alle einzubeziehen und teilhaben zu lassen.“ Es gilt. Leben zu teilen, andern ins Gesicht zu blicken, „Verbundenheit in der Vielfalt zu spüren“. Ferdinand Kaineder kehrte aus Stuttgart vom Deutschem Katholikentag zurück, „etwas müde vom den vielen und vielfältigen Eindrücken, genährt von Begegnungen und Inhalten und weiterhin neugierig.“

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 31. Mai 2022 (Einsendedatum)


Nummer eins: Frauenfrage

Eine bemerkenswerte Sache: In allen Diözesen Österreichs, in denen eine Befragung zum Synodalen Prozess durchgeführt wurde, ergab sich als Thema Nummer eins die Frau in der Kirche und die Besetzung von verantwortungsvollen Leitungspositionen durch fähige Frauen. „Das wird immer mehr der Fall sein“ ist Angelika Ritter-Grepl, die Leiterin der Katholischen Frauenbewegung überzeugt. Sie sagt: Wir Frauen wollen Aufgaben in der Leitung und in der Seelsorge wahrnehmen, „weil wir dazu bereit sind, weil wir dafür ausgebildet sind und weil wir pastoral wirken können und wollen.“ Frau Ritter-Grepl verneint aus ihren Erfahrungen vehement die Behauptung, die Frauenfrage in der Kirche sei nur in Deutschland oder Österreich akut. „Sie ist es weltweit.“ Vor kurzem war eine Delegation österreichischer Kirchenfrauen in Rom und stellte nach dem Gespräch mit im Vatikan Arbeitenden, diesem ein erstaunlich gutes Zeugnis aus. Die Frage der Geschlechtergleichheit kam nicht nur im Vatikan an, sie wird in Zukunft von diesem gefördert werden. Die Frauen zeigten such „sehr überrascht“ vom Vatikan. Sie konnten auch mit der italienischen Ordensfrau Alessandra Smerilli sprechen, die dem dreiköpfigen Leitungsteam des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen angehört.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 12. Mai 2022 (Einsendedatum)


Schattenpontifikat

Vor kurzem wurde Benedikt XVI. 95 Jahre alt. Seit seinem Rücktritt im Jahre 2013 wohnt er zurückgezogen im Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten, ganz nahe vom Haus Marta, dem Wohnort des regierenden Papstes Franziskus. Für den Autor des neuen Buches über den „Schattenpontifikat“ Benedikts, Massimo Franco, ist dieses Kloster der „seltsamste und interessanteste Ort“ im ganzen Vatikan. Der Journalist Franco ist in Italien kein Unbekannter. Er war nämlich viele Jahre lang Redakteur des „Corriere della Sera.“ Benedikt XVI. wohnt in besagtem Kloster mit seinem Privatsekretär Georg Gänswein, zurückgezogen, aber doch seine Gäste im weißen Talar empfangend, so als wäre er nicht der berühmteste „Ex“ der Welt, sondern immer noch der amtierende Papst. Das Miteinander der zwei Päpste war immer etwas rätselhaft und unklar. Der Journalist Franco schildert die Entwicklung der letzten neun Jahre und legt dabei den Akzent auf ihr Verhältnis zueinander und somit auf das „parallele Papsttum“ Benedikts. Diese Situation dauert nun schon viel länger als erwartet. Franco findet, das Problem sei keineswegs gelöst und die Katholische Kirche stehe heute zerrissener da als 2013.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 30. April 2022 (Einsendedatum)


Große Gegensätze

Die größte Laienorganisation Österreichs, die Katholische Aktion will sehr aktiv am vom Papst weltweit ausgerufenen Synodalen Prozess teilnehmen. Nun legte sie einen Zwischenbericht vor, der in der Kirche große Gegensätze feststellt. Einerseits gebe es viele ermutigende Bestrebungen, besonders in der jungen Generation, die sich freue, „zum ersten Mal gefragt zu werden.“ Andererseits gebe es Bremser und unstimmige Haltungen. Der Synodale Prozess pralle oft auf die hierarchische Struktur der Kirche. Man wolle Dialoge ohne Veränderungen. Die Priester müssten nicht nur in den Prozess eingebunden werden, sondern auch in diesen eingeführt und auf synodale Handlungsweisen verpflichtet werden. Die offizielle Kirche überschätze die in ihr bereits verwirklichten synodalen Elemente. Sie glaube manchmal entgegen der Wirklichkeit schon sehr synodal zu sein bzw. sehe wenig Veränderungsbedarf in diese Richtung. Die Katholische Aktion werde immer wieder gedemütigt, weil sie alles daran setze, Veränderungen zu erreichen.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 21. April 2022 (Einsendedatum)


Kafreitag wurde den Evangelischen gestohlen

Das, was 2019 geschah, empfanden die österreichischen Evangelischen als große Ungerechtigkeit. Sie protestiertem heftig dagegen. Bis dahin war der Karfreitag in Österreich für alle Protestanten ein arbeitsfreier Feiertag. Das Angebot von Gottesdiensten verteilte sich auf den ganzen Tag. Der Karfreitag war der höchste oder einer der höchsten Feiertage des Kirchenjahres. Er war identitätsstiftend.
Doch die damalige Bundesregierung schaffte ihn ab und ersetzte ihn durch einen „persönlichen“ Feiertag. Vom nun an musste jeder Evangelische selbst entscheiden, ob ihm dieser Tag einen persönlichen Urlaubstag wert war, um den er ansuchen konnte. Die Debatte darüber ist inzwischen abgeflaut. Doch die Evangelischen sind nicht zufrieden mit dieser Lösung. Sie möchten, dass der Karfreitag ein Feiertag für die ganze Bevölkerung werde. Die beiden Superintendenten Geist und Sauer, von Wien und Kärnten wollen eine neue Initiative starten, indem sie das Thema bei einer wichtigen Tagung nach Ostern von neuem auf die Tagesordnung setzen wollen. Sie rechnen mit einer Gesprächsbereitschaft der neuen Regierungskoalition und, besonders in Kärnten, mit der Unterstützung der Katholiken. „Ich kenne keine Diözese, wo sich die Katholische Kirche so stark gemeinsam mit uns für den Karfreitag eingesetzt hat.“ sagt Superintendent Sauer.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief für die VN, 13. April 2022 (Einsendedatum)


Auflagenstärkste Wochenzeitungen

Genauer gesagt: Auflagenstärkste Kauf-Wochenzeitungen sind immer noch die „Kirchenzeitungen“. Österreichs Kirchzeitungen sind auf diesem Gebiet immer noch mit Abstand die größten Player. Das geht aus den jüngsten Zahlen der Österreichischen Auflagenkontrolle hervor. Die katholische Kirche scheine nach wie vor ein „Mekka für wöchentliche Kaufprodukte“ zu sein, heißt es in dem begleitenden Beitrag. Dran hätten auch leicht rückläufige Verkaufszahlen nichts geändert. Die „Anzeigenkombi Kirchenzeitungen“ verkauft demnach wöchentlich 101.389 Stück, davon 86.462 im Abo. Auch die Einzelwertungen der Kirchenzeitungen können sich sehen lassen. So z. B. das „Sonntagsblatt für die Steiermark“ (28.538), die „Kirchenzeitung der Diözese Linz“ (25.636), die St. Pöltner „Kirche bunt“ (21.797) oder auch in dem kleinen Land das „Vorarlberger KirchenBlatt“ (6.336). An vorderer Stelle findet man außerdem „Die Furche“ als interdiözesane Wochenzeitung mit katholischer Ausrichtung. Es ist sicher angebracht, zu diesem Bericht hinzuzufügen: Die österreichischen Kirchenzeitungen haben sich in den letzten Jahrzehnen stark verbessert. Sie sind ansprechender, offener, inhaltlich wertvoller und ökumenischer geworden. Noch sind wohl die Männer in den Redaktionen noch in der Mehrzahl, aber bei den haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden haben die Frauen relativ rasch zugenommen.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 6. März 2022 (Einsendedatum)


Laienpower in der Kirche

Zwei synodale Wege laufen zur Zeit in der Katholischen Kirche ab. Einer in Deutschland, der beinahe zu Ende ist. Er hat schon bewiesen, dass in ihm die meisten Bischöfe mit den Laien auf Augenhöhe nicht nur reden, sondern auch entscheiden können. Beim 2., weiltweiten synodalen Weg ist das leider noch nicht garantiert. Vom dieser Frage jedoch hängt der Erfolg oder Nichterfolg des Synodalen Weges ab. In Österreich setzen wir unsere Hoffnung auf die starkeen Laienverbände und Frauenverbände. Die Katholische Aktion und die Frauenbewegung Österreichs haben nicht nur zahlenmäßig die meisten Mitglieder. Sie haben auch gut verstanden worum es im Wesentlichen geht. Vor kurzem sind sieben VertreterInnen der österreichischen Laienverbände nach Berlin zu einem ersten „Gipfeltreffen“ gefahren. Dort erzählten auch die offiziellen VertreterInnen der deutschen Katholiken (ZdK) von ihren Erfahrungen mit verständigen und unverständigen Bischöfen und mit der römischen Kurie. Das stärkt die Hoffnung der Laien in Österreich. Auch wenn die Hierarchen das immer wieder vergessen, die Laien sind der wichtigste Teil der Kirche.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 28. Februar 2022 (Einsendedatum)


Bessere Welt

1952, ein Jahr bevor ich zum Studium nach Rom kam, gründete der Jesuitenpater Riccardo Lombardi an den Ufern des Albaner Sees die „Bewegung für eine bessere Welt“. Obwohl jeder Mensch sich eine bessere Welt wünscht, leistete die Kurie der Initiative Lombardis erheblichen Widerstand. Doch mit der Unterstützung des damals regierenden Papstes Pius XII., mit dem er befreundet war und mit Hilfe vieler Bischöfe gelang ihm der Durchbruch. In unserer Diözese förderte viele Jahre lang vor allem der letztes Jahr verstorbene Pfr. Ferdinand Hiller die Ausbreitung der „Bewegung für eine bessere Welt“ hauptsächlich durch seine intensiven Kurse. Hiller war seiner Zeit voraus und praktizierte z. B. bei seinen letzten Gottesdiensten die Gleichberechtigung der Frauen. Er war der Ansicht: Geredet wurde schon genug darüber, jetzt muss es einer in die Praxis umsetzen und tun. Heuer konnte die Gründung Lombardis bereits ihr 70-jähriges Jubiläum feiern. Zu diesem Anlass gratulierte der Papst Franziskus der Bewegung und bat ihre Mitglieder, ihrer Vision weiterhin zu folgen und sich für Gerechtigkeit und für den Frieden einzusetzen.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 15. Februar 2022 (Einsendedatum)


Verantwortung für die Gemeinde

Unser Bischof Benno Elbs scheibt im Kirchenblatt sehr gut über den PGR. Dieser habe die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass in den Gemeinden lebendiges Christentum gelebt werde und dass die vom der Kirche oder der Gesellschaft an den Rand Gedrängten, die keine Stimme haben, eine Stimme bekommen. In manchen Pfarren können brennende Fragen gar nicht besprochen werden, weil das der zuständige Pfarrer gar nicht zulässt. Der Pfarrer hindert also den PGR, seine Verantwortung zu übernehmen. Weil er ein Vetorecht gegen die Beschlüsse des PGR hat, glaubt der Pfarrer, er allein habe die Verantwortung für das lebendige christliche Leben der Gemeinde. Hier haben die Bischöfe die Möglichkeit, die kirchliche Ordnung zu aktualisieren, indem sie das Vetorecht der Pfarrer abschaffen.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief für das KirchenBlatt, 4. Februar 2022 (Einsendedatum)


Auch Bischöfe für Frauenpriester

In einer Aussendung der Katholischen Presseagentur Österreichs wurden sechs deutschsprachige Bischöfe genannt, die alle direkt oder indirekt für die heutige Notwendigkeit der Erlaubnis der Ordination von Frauen eintreten. Die genannten Bischöfe sind: Erwin Kräutler von Altamira, Propst Martin Werlen von St. Gerold, Kardinal Marx von München, sowie die Bischöfe Bätzling (Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz), Bode, Feige und Wilmer. Bischof Kräutler sagt: Überzeugungsarbeit brauche es bei ihm keine mehr. Die hätten längst seine Schwester Ermelinde und die Basisgemeinden des Amazonas geleistet. Seine Schwester habe als Pastoralassistentin in Dornbirn-St.Martin jahrzehntelang priesterlich gewirkt und ihn bei jedem Heimaturlaub gefragt: Warum darf ich nicht geweiht werden? Als Propst von Einsiedeln führte Martin Werlen in Fahr zwei benediktinische Gemeinschaften, eine männliche und eine weibliche zusammen. Und er war überglücklich, als er erfuhr, dass die Priorin von Fahr am 1. August 2021, dem Schweizer Nationalfeiertag in Einsiedeln im Hauptgottesdienst predigen durfte. Kardinal Marx meinte, er könne sich für die Zukunft schwer vorstellen, dass wir eine synodale Kirche entwickeln, in der Männer und Frauen zusammen arbeiten, beraten und debattieren, dann aber doch wieder die Bischöfe allein entscheiden.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 7. Februar 2022 (Einsendedatum)


Mitbestimmen statt mitberaten

Am 29. März dieses Jahres sind in ganz Österreich Pfarrgemeideratswahlen vorgesehen. Bisher ist der Pfarrer nicht an die Beschlüsse des PGRs gebunden. Er hat in jedem Fall ein Vetorecht. Nach Ferdinand Kaineder, dem Präsidenten der Katholischen Aktion Österreichs soll das endlich geändert werden. Aus dem beratenden PGR soll ein bestimmendes Gremium werden. Viele Pfarrer handhaben das schon lange so, doch aus dieser „Notlösung“ soll nach Kaineder eine offiziell anerkannte und im Kirchenrecht verankerte, in allen Pfarren beachtete „Dauerlösung“ werden. „Autolratisch klerikale Männer mag selbst der Papst nicht.“ Für Pfarrgemeinderäte - Jugend, Frauen, Männer – sei das Gestalten des Pfarreilebens spannend, „wenn sie in die Verantwortung gehen können“. Das Amt des Pfarrers sei „gebunden an den Dienst der Einheit mit dem Bischof und seiner Gemeinde, die im PGR ihre Entscheidungen trifft. Trotz der mehrfachen Erfahrung in den letzten Jahrzehnten, dass Reformanliegen nicht gehört werden, sehen viele heute eine Chance. „Beispielsweise kommt heute das Frauenthema (allerdings extrem schüchtern, ergänzende Anmerkung von H. R.) aus dem Vatikan selbst.“ So schreibt der Präsident der Katholischen Aktion Österreichs im Männermagazins „Y“.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn
Leserbrief, 28. Jänner 2022 (Einsendedatum)


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